In den neu adaptierten Räumlichkeiten zwei benachbarter alter Textilfabriken im Ortskern Haslachs soll ab 2009/10 ein umfassendes Textiles Zentrum eingerichtet werden, das mehrere Institutionen unter einem Dach vereinen wird. Ziel ist es, die große Webtradition des Mühlviertels mit aktuellen Entwicklungen im Textilbereich in Beziehung zu setzen, um das Textile als ein Kulturgut mit reichhaltiger Geschichte, aber auch mit vielfältigen Zukunftschancen für die Besucherinnen und Besucher erlebbar zu machen. Neben der Übersiedelung und Neustrukturierung des historischen Bestands des örtlichen Webereimuseums sollen drei weitere Haslacher Organisationen in das Textile Zentrum integriert werden, die wichtige Impulse zur Belebung des Hauses setzen können und durch deren Zusammenwirkung neue Synergien entstehen:
• Unser Verein, Textile Kultur Haslach, der durch die Organisation des jährlichen Sommersymposiums immer ein breites internationales Fachpublikum nach Haslach bringt, erhält innerhalb des Textilen Zentrums permanente Kursräumlichkeiten, sodass künftig ein Jahresprogramm an Kursen und Sonderausstellungen organisiert werden kann. Es werden eine Webwerkstatt und eine Färberküche eingerichtet. Im Außenbereich wird außerdem ein Garten mit Färberpflanzen angelegt, der für das praktische Arbeiten zur Verfügung steht.
• Die Manufaktur Haslach verarbeitet als sozialökonomischer Betrieb Wolle heimischer Schafbauern und zu Filz- und Webprodukten. Durch das Integrieren dieser Einrichtung in das Gesamtkonzept können die Besucherinnen und Besucher den Bereich der Faseraufbereitung und der mechanischen Weberei in einer lebendigen Werkstätte auf laufenden Maschinen kennen lernen.
• Von Beginn der Neukonzeption an war auch die örtliche Textilschule Haslach als dritter aktiver Partner im Textilen Zentrum eingeplant. Es handelt sich dabei um die letzte Institution in Österreich, die Textiltechniker im Bereich der Weberei für die Industrie ausbildet. Die Schule verfügt über eine hervorragende technische Ausstattung, die schon in der Vergangenheit bei Kooperationsprojekten für Künstler/innen und Designer/innen zum Experimentieren offen stand. Das Konzept sieht vor, einen Teil der Maschinen ins Textile Zentrum zu integrieren und sie für freie Nutzungsformen und neue Aus- und Weiterbildungsmodelle zugänglich zu machen, um den Standort Haslach im Bereich der Textilausbildung langfristig zu sichern. Die politischen Entscheidungen der nächsten Monate werden zeigen, ob sich dieses Vorhaben realisieren lässt.
Weiters ist geplant, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Mühlviertler Ölmühle, in der Leinöl hergestellt wird, in das Gesamtkonzept einzubinden. Außerdem wurden im angrenzenden FAB-Gebäude bereits Depot-Räumlichkeiten und ein Textiles Archiv eingerichtet, in dem kostbare Musterbücher, Fachliteratur und Textilien aus der Region verwaltet werden, die künftig Liebhabern und Experten für wissenschaftliche Zwecke offen stehen. Somit wird mit dem Textilen Zentrum Haslach eine umfassende Institution geschaffen, die das Phänomen Textil von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet und nachhaltig wichtige kulturelle und touristische Impulse setzen soll. Durch das Integrieren der unterschiedlich ausgerichteten Bereiche werden die textilen Kräfte des Orts gebündelt und vielfältige Aktivitäten gewährleistet. Es wird für unterschiedlichstes Publikum eine textile Infrastruktur geschaffen, die kaum in einer anderen öffentlichen Institution in Österreich zu finden ist. Die neue Einrichtung soll als eine Art Keimzelle der allgemeinen Tendenz der Abwanderung Textilen Wissens und Kulturbewusstseins entgegen wirken, indem historisches Kulturgut, technisches Equipment, und fachliches Wissen an einem Ort konserviert und aktiv weitertradiert wird.
  
  
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