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Experimentierwerkstatt 2010
DER KNOPF IM HIRN

Textile Kultur Haslach führte heuer in Kooperation mit der Linzer Landesnervenklinik Wagner-Jauregg eine Experimentierwerkstatt durch, die sich mit den Zusammenhängen zwischen textilen Techniken und neurologischen Vorgängen beschäftigte. Die Idee basiert auf den Erkenntnissen der Gehirnforschung, die zeigen, dass sich die Auseinandersetzung mit manuellen Tätigkeiten positiv auf verschiedene Gehirnstrukturen auswirkt und die Verbindung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte stärkt. Während beispielsweise im Bereich der Musik schon mehrere Untersuchungen durchgeführt wurden, die die positiven Auswirkungen musikalischer Bildung auf anderer elementare Kompetenzen zum Thema hatten, wurde die Wirkung textiler Lernprozesse noch kaum beforscht.
Mit  unserer Versuchsreihe sollte in diesem komplexen Bereich ein Anfang gesetzt werden. Unser Team von Textile Kultur Haslach ist sich darüber bewusst, dass wir mit der Durchführung der Experimentierwerkstatt keine perfekte wissenschaftlich Studie betrieben haben, da viele Faktoren die Untersuchungen beeinflussten und die Versuchsgruppe relativ klein war. Es ging uns eher darum, für die Thematik zu sensibilisieren und einen Diskussionsprozess über die Wertigkeit textilen Lernens und textiler Tätigkeiten im Allgemeinen in Gang zu setzen. Gerade angesichts bildungspolitischer Entwicklungen und auch in Hinblick auf lebenslanges Lernen erscheint uns das Experiment eine spannende Annäherung an dieses vielschichtige Thema zu sein.

Die Experimentierwerkstatt verläuft in zwei Phasen:

TEIL I: Untersuchung im Wagner-Jauregg

Im Mai 2010 stellte das Wagner-Jauregg die Möglichkeit zur Verfügung, insgesamt 12 Personen unter der Leitung der Neurologin Dr. Mathilde Schnizer testen zu lassen. Mit jeder der Versuchspersonen wurde für jeweils insgesamt ca. 45 Minuten eine Magnetresonanztomographie (Röhre) durchgeführt, die die Gehirnaktivität maß.
Die Untersuchungen sollten zeigen, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, wenn man sich mit textilen Tätigkeiten und Lernprozessen beschäftigt und auf welche anderen Gehirnregionen sich diese Art der Tätigkeit auswirken. Dr. Mathilde Schnizer wertete die Testergebnisse aus und stellte sie im Rahmen des 2. Teils der Experimentierwerkstatt vor.

TEIL II: Experimentierwoche in Haslach
Mit Cordula Hofmann-Molis, Lehrende im Bereich Textiles Gestalten an der Universität Mozarteum und Expertin für historische Textiltechniken, wurde das Thema im Rahmen eines einwöchigen Kurses von 19. bis 23. Juli in Haslach vertieft. Dazu wurden 8 Personen eingeladen, die sich eingehender mit den drei Textiltechniken Occhi, Sprang und Netzen beschäftigten.
Diese drei Techniken wurden von Cordula Hofmann-Molis vorgestellt und systematisch vermittelt. Vor, zwischen und nach dem Erlernen der Techniken hatten die Versuchspersonen Fragebögen auszufüllen und einfache kognitive schriftliche Aufgaben zu lösen. Somit wurde in einem kleinen Umfang der Versuchscharakter aus dem Krankenhaus mit einfachen Mitteln in Haslach fortgesetzt.
Begleitet wurde diese Woche von Dr. Mathilde Schnitzer, der Diplompsychologin Christine Groß die die Tests auswertete und das Experiment aus einem wissenschaftlichen Augenwinkel heraus beobachtete.
Die Experimentierwerkstatt fand in den Schauräumen eines alten Haslacher Bürgerhauses statt und sollte somit auch von außen wahrnehmbar sein. Am Donnerstag Abend wurde dann im Rahmen einer Präsentation das Experiment öffentlich vorgestellt. Neben den textilen Ergebnissen, die in der Woche entstanden sind, präsentierten auch Dr. Schnitzer und Dr. Groß ihre Resultate und Beobachtungen.
Die Thematik der heurigen Experimentierwerkstatt ist mit Ende Juli 2010 bei weitem nicht ausgeschöpft. Wir verstehen das Experiment lediglich als einen möglichen Anfang, aus dem sich vielleicht weitere Dinge entwickeln und Hypothesen für neue Untersuchungen abgeleitet werden können.

Nähere Informationen zu den Tests und den Ergebnissen finden sie hier:
Folder Experimentierwerkstatt - Innenseite (PDF) >
Folder Experimentierwerkstatt - Außenseite (PDF) >

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Tel: +43-7289-72300, e-mail: